EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE ALTLANDSBERG
 




Reformationsjubiläumsjahr ist ein großer Erfolg 
Pressemitteilung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz


Berlin, 16. Oktober 2017 – Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ist hoch zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Jubiläumsjahr 2017 zu 500 Jahren Reformation. In mehr als 150 überregionalen Veranstaltungen wurden in Gottesdiensten, Vorträgen, Festen, Ausstellungen, Vortragsreihen, Konzerten, Bildungsangeboten und Exkursionen an die Reformation und ihre Wirkung bis in die Gegenwart erinnert.

Ziel war es, das Reformationsjubiläum nicht nur als kirchliches, sondern als gesellschaftliches Ereignis zu feiern, ökumenisch und international. Das breit gefächerte Angebot an Veranstaltungen hat Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit geboten, sich mit den religiösen, kulturellen und politischen Wirkungen der Reformation bis heute auseinanderzusetzen, auch in modernen Kunstprojekten wie in der Stiftung St. Matthäus die Ausstellung von Gilbert & George oder in Wittenberg „Luther und die Avantgarde“. Höhepunkt des Jubiläumsjahres war der Deutsche Evangelische Kirchentag in Berlin, Potsdam und Wittenberg, dessen gastgebende Landeskirche die EKBO war. Besonders das Regionale Kulturprogramm der Landeskirche mit zeitgenössischer Kunst in drei Berliner Kirchen und insgesamt rund 11.000 Besuchern sowie das Programmangebot in Museen, Theatern, Galerien und Wissenschaftseinrichtungen in Berlin und Potsdam war ein großer Erfolg.

Aus der Sicht der Landeskirche ist es im Rahmen des Jubiläumsjahres gelungen, die Botschaft der Reformation von Freiheit und Verantwortung in der Gesellschaft neu bewusst zu machen. Bischof Dr. Markus Dröge betont: „Freiheit im Sinne Martin Luthers meint, dass der Glaube vor Gott uns frei macht, und alle Menschen zugleich die Verantwortung dafür tragen, wie wir in unserer Gesellschaft zusammenleben.“ Die Landessynode hatte 2011 für die Reformationsdekade und für das Reformationsjubiläum 500.000 Euro zur Verfügung gestellt, um vor allem Projekte und Veranstaltungen zu fördern, die „vor Ort“ entwickelt und umgesetzt werden sollten. Damit war die Erwartung verbunden, dass eine regional angebundene und verortete Beschäftigung mit der Reformation und ihren Folgen nachhaltig sein würde. Die hohe Anzahl von 110 geförderten Projekten zeigt, dass sich die Erwartung erfüllt hat. Viele Institutionen haben die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit „ihrer“ regionalen Geschichte genutzt. Die dabei entstandenen Kooperationen werden über das 2017 hinaus wirken. 
An vielen Orten fanden die Veranstaltungen in Kooperationen mit Museen, Galerien, kommunalen Bildungsträgern und Musikensembles statt, so bei den stark beachteten Ausstellungsprojekten in Frankfurt/Oder („Bürger, Pfarrer, Professoren“, rund 22.000 Besucher), in Brandenburg/Havel („Kirche und Stadt – Alles eins...“), in Jüterbog (u.a. „Tetzel, Ablass, Fegefeuer“, noch bis 26. November 2017), in Potsdam („Reformation und Freiheit“ (noch bis 21. Januar 2018), Bad Wilsnack („Sünde, Tod und Fegefeuer – Bildmedien vor und nach der Reformation“) und in Berlin, der Stiftung Stadtmuseum und in drei Regionalmuseen (u.a. „Sankt Luther – Ein Reformator zwischen Inszenierung und Marketing“). 

Die Zahl der Teilnehmenden kann nur geschätzt werden, sie dürfte aber in den drei Bundesländern, in denen die EKBO präsent ist, bei 80.000 bis 100.000 Besucherinnen und Besuchern liegen.

Die gute Zusammenarbeit im Ökumenischen Rat Berlin Brandenburg und die ausgezeichneten bilateralen Kontakte der Landeskirche zum Erzbistum Berlin und zum Bistum Görlitz waren die Grundlage für die Durchführung der Vortragsreihe „500 Jahre Reformation – von der heilenden Wirkung der Erinnerung“ (Februar 2017), der Buß- und Versöhnungsgottesdienste (März 2017), einer gemeinsamen Lesung von Bischof Markus Dröge und Erzbischof Heiner Koch aus der Lutherbibel (Mai 2017) sowie der vom 22. – 31. Oktober 2017 geplanten Veranstaltungsreihe „In Christus verbunden – Ökumenische Woche zum Reformationsjubiläum 2017“. Im Dialog mit den ökumenischen Partnern wurden auch die Gründe für die Kirchenspaltung im 16./17. Jahrhundert thematisiert, eine Zwischenbilanz der ökumenischen Bemühungen der vergangenen Jahrzehnte gezogen und mögliche Perspektiven nach 2017 in den Blick genommen.

Das Reformationsjubiläumsjahr wird mit einem Festgottesdienst in der St. Nikolaikirche in Berlin- Spandau am 31. Oktober 2017 enden.

© Rolf Borges


95 Thesen und die Reformation ... Hammerschläge der Geschichte?

Wumm, wumm, wumm.

Ich betrachte dieses Bild mit dem Mönch, der hammerschwingend ein ausgerolltes und bedrucktes Stück Papier an eine Tür schlägt. Ich meine sogar, den Widerhall seiner Schläge in den Gassen hören zu können, in denen sich Edelleute, Gelehrte, Geistliche, Soldaten und Bettler mit empörten, neugierigen und faszinierten Gesichtsausdrücken drängen. Eine Szene aus dem spätmittelalterlichen Wittenberg. Jeder von uns hat sie schon einmal in seinem Leben irgendwo gesehen. Auf Gemälden, in Kunstbüchern, im Internet. Der Augustinermönch, der da 1517 den Hammer schwingt: natürlich Martin Luther. Das Bild, das wir von ihm durch die klischeehafte Art seiner Darstellung immer wieder im Kopf haben, scheint durch die Sichtweisen von Reformationsjubiläen vergangener Jahrhunderte in die DNA der Deutschen übergegangen zu sein. 

Wumm, wumm, wumm ... eine Art Proklamation der Reformation. Ein kleines Schräubchen im Getriebe der katholischen Weltzeituhr bringt plötzlich allein und hammerschlagend den großen Zeiger zum Stehen?

150 Jahre vor ihm kritisiert der englische Theologe und Kirchenreformer John Wyclif die alleinige Autorität des Papstes, die Reliquienverehrung und das Priesterzölibat und beruft sich dabei auf seine Lehre von der "Macht allein durch die Gnade (Gottes)". 30 Jahre nach seinem Tod wird er 1415 vom Konzil in Konstanz zum Ketzer erklärt, werden seine Gebeine exhumiert und verbrannt. Dem böhmischen Prediger und zeitweisen Rektor der Prager Karls-Universität Jan Hus ereilte auf eben jenem Konzil ein noch schrecklicheres Schicksal. Er verlor für seine kirchenkritischen Schriften und Überzeugungen in den Flammen des Scheiterhaufens sein Leben. Petrus Valdes, Johannes Milicius und Girolamo Savonarola ... die Aufzählung mit Namen vorreformatorischer Kritiker an Klerus und Gesellschaft ließe sich noch verlängern.

Und wieder betrachte ich ein Bild. Elegant, fast schon lasziv, streckt ein nackt liegender junger Mann seinen linken Arm mit leicht ausgestrecktem Zeigefinger der Hand eines auf ihn zufliegenden alten Mannes mit weißem Rauschebart, umgeben von pummeligen Putten, entgegen. Nur eine Nuance höher scheint der Weise über dem Jüngling zu schweben, beinahe scheinen sie ebenbürtig. Zwischen beiden, so scheint es uns mit unserem physikalischen Wissen, müsste augenblicklich der Funke überspringen. Doch diese Kenntnisse hatte Michelangelo Buonarroti noch nicht, als er die "Erschaffung Adams" zwischen 1508 und 1512 als Fresko an die Decke der Sixtinischen Kapelle malte. Und doch stellt die Art, wie Michelangelo den Menschen gegenüber seinem Schöpfer darstellt, einen Bruch dar mit allem bisher vom Menschen Erdachten und Geschaffenen.

Michelangelo Buonarroti│Die Erschaffung Adams│Sixtinische Kapelle © Enrico Konkel

Es ist die Zeit der Renaissance, der "Wiedergeburt" der Antike und die Konzentration auf den Menschen als Individuum. Eine Zeit des Umbruchs, eine Zeit, in der nie zuvor geduldete Fragen gestellt und die Wissenschaften die Antworten finden werden. Eine Zeit, in der mehr Paläste und Bürgerhäuser gebaut werden als Kirchen. Und dennoch dieselbe Zeit, in der der mittelalterliche Augustinermönch nördlich der Alpen gepeinigt aus Angst vor den Höllenqualen des Fegefeuers mit dem rachsüchtigen, den Sünder zerschmetternden Gott ringt und dessen Gnade sucht ... und sie schließlich allein in den Worten der Heiligen Schrift findet.

Mit sich und seinem Gewissen ringend gewann also Martin Luther seine, die Welt verändernden theologischen Erkenntnisse. Doch erst die noch junge Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern machte die rasche Verbreitung seiner Thesen möglich und brachte so seine neuen Sichtweisen auf Gott und die Welt auch unter die Menschen. Für das eigene Seelenheil mussten nun keine Ablassbriefe mehr gekauft werden, war das Pilgern zu Knochen, Holzsplittern und Leichentüchern plötzlich nicht mehr wichtig. Jahrhundertealtes Gedankengut geriet ins Wanken. Gnade allein durch den geschenkten Glauben, ohne Werke und Verdienste. Umsonst! Das muss ein in der Gedankenwelt des Mittelalters gefangener Mensch erst einmal verkraften. Der Verlust liebgewonnener Traditionen ist da noch das Geringste.

Wumm, wumm, wumm ... genauso wenig, wie mit den vermeintlichen Hammerschlägen Luthers die Reformation urknallartig auf der Bildfläche der Geschichte erschien, ebenso wenig war ihre Ausbreitung und die Umsetzung der neuen lutherischen Lehre ein kontinuierlicher und homogener Prozess in den deutschen Kurfürstentümern, deren Landesherren den neuen Glauben für sich und ihre Landeskinder angenommen hatten. Während einige Städte, wie z.B. Torgau in Sachsen, bereits 1527 den lutherischen Gottesdienst feierten, brauchten die Altlandsberger in Brandenburg bis 1540, um über ihren theologischen Schatten zu springen.
Wenn man sich schon so viel Zeit ließ, dann konnte man auch den Übergang der Verantwortlichkeiten von einer kirchlichen Institution zur anderen ganz sachlich regeln. So gab es in Altlandsberg keinen Bildersturm, keinen wütenden Mob, der seine Ablehnung der Papstkirche an Madonnenaltären und Heiligenfiguren ausließ. Und wenn die goldenen Abendmahlskelche und Kruzifixe der Altlandsberger Stadtkirche in die kurfürstliche Schatzkammer Einzug hielten, dann bestimmt nicht auf Grund der neu gewonnenen theologischen Erkenntnisse.
Dass man sich mit den neuen Gegebenheiten sehr gut arrangieren konnte, bewies der letzte verbliebene Mönch des Altlandsberger Klosters der Serviten, der nicht als Held zur Verteidigung seines Ordens in die Geschichtsbücher der Stadt eingehen wollte. Er übergab 1540 völlig freiwillig die Schlüssel des Klosters der neuen Geistlichkeit und konnte sich als Ausgleich dafür über einen kleinen Landgarten und die Anstellung als (nun) evangelischer Pfarrer in Neuenhagen und Seeberg freuen.

Reformation macht Geschichte(n). Wenn wir uns an die Hammerschläge auf dem eingangs erwähnten Gemälde erinnern, dann geschah es eben nicht mit einem wumm, wumm, wumm, mit dem sich die Neuzeit für die Menschheit ankündigte, sondern es waren die vielen kleinen Schritte, von denen mal zwei nach vorn gingen und manchmal einer wieder zurück. Und wenn die intensive und kritische Auseinandersetzung mit dem Reformationszeitalter und seinen Auswirkungen in der nun hinter uns liegenden Dekade und den Jubiläumsfeierlichkeiten eines gezeigt hat, dann ist es nicht nur, aber vor allem eines: Die Reformation ist der Fixpunkt auf dem Zeitstrahl der Geschichte, in dem noch heute viele der sozialen und freiheitlichen Errungenschaften unserer Gesellschaft ihren Ursprung haben. Nicht nur in Deutschland oder Europa, sondern auf der ganzen Welt. | eko

Nürnberger, Leipziger und Baseler Thesendrucke 1517│Ausstellung in der Staatsbibliothek zu Berlin © Enrico Konkel

 

500 Jahre Reformation - Ein unübersehbares Jubiläum


Mit seinem Thesenanschlag an die Tür der Wittenberger Schlosskirche am 31. Oktober 1517 veränderte der Mönch Martin Luther das Weltbild des ausgehenden Spätmittelalters und stieß damit gleichzeitig die Türen auf zu unserer Neuzeit. Alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wurden von der Dynamik dieser Ereignisse erfasst und erfuhren tiefgreifende Veränderungen. Neben den politischen Umwälzungen, die im folgenden Jahrhundert in den Schrecken des 30-jährigen Krieges gipfelten, wurden insbesondere Bereiche der Bildung und Musik berührt.
Die Bibel wurde durch Martin Luther aus ihren Ursprachen Hebräisch, Aramäisch (Altes Testament) und Griechisch (Neues Testament) in ein kraftvolles, aber ebenso poetisches und emphatisches Deutsch übersetzt, nicht in die Sprache der Gelehrten, sondern die des Volkes. Er schaute ihm aufs "Maul" und schuf damit stilprägende Wortneubildungen wie "Menschenfischer", "lichterloh", "gastfrei" oder "plappern". Der sich rasant entwickelnde Buchdruck bildete mit Luthers Übersetzung eine Phalanx für den Bildungshunger breiterer Bevölkerungsschichten. Mit der gewonnenen religiösen Neuorientierung entstanden die ersten evangelischen Kirchenlieder und mit ihnen das Gesangbuch. Noch heute singen wir diese Lieder und können uns an der Kraft ihrer Texte orientieren und uns von ihrer Vertonung berühren lassen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit ihren 20 Landeskirchen bereitete sich im Bewusstsein der Bedeutung des Jubiläums des 500. Jahrestages der Reformation seit 2008 mit jährlich wechselnden Themen mit der sogenannten Lutherdekade auf das große Ereignis vor. Publikationen, Dokumentationen und Symposien überschlagen sich förmlich in der Erwartung des Jubiläums. Wer bei der Vielfalt des Informationsangebotes nicht den Überblick verlieren möchte, wird neben den Jubiläumsthemen auf den bekannten Websites der EKD und ihren Gliedkirchen auf der Website "Luther2017", einem Gemeinschaftsprojekt der "Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt" und der EKD, umfassend und dabei klar strukturiert durch den "Dschungel" Reformationsjubiläum geleitet. Weitere Websites zum Thema: www.reformation.ekbo.de, www.r2017.org, www.kirchentag.de, www.lutherpedia.de und www.here-i-stand.com.Text und Foto © eko

                                    

Gott neu vertrauen - Das Reformationsjahr 2017 im Kirchenkreis

Menschen mit „Gottvertrauen“ müssen keine Angst haben, und sie müssen anderen keine Angst machen. Sie werden frei, ihre Leben ohne Angst zu gestalten. Grundlage von „Gottvertrauen“ ist der Glaube an einen gütigen Gott. Diesen Glauben entdeckte die Reformation vor 500 Jahren neu: Gott ist kein strenger Richter und kein gleichgültiges Schicksal. Sondern Gott ist eine allmächtige Kraft der Liebe, die die Welt verwandelt. Martin Luther kam nie nach Brandenburg. Aber die Impulse der Reformation haben unser Land seit fast 500 Jahren geprägt. Und auch unsere herausfordernde Zeit kann „Gottvertrauen“ wieder gut gebrauchen.
Die Evangelische Kirche in unserer Region, ihre Gemeinden, Einrichtungen und Mitglieder laden Sie ein: Feiern Sie mit uns das Reformationsjubiläum! Wir denken dabei nicht nur über die Geschichte nach. Wir lassen uns fragen, was christlicher Glaube heute bedeutet. Und wir wollen gemeinsam lernen, Gott neu zu vertrauen.
Wir laden Sie ein zu:

Herzliche Einladung sich einen Überblick zu den Veranstaltungen im Kirchenkreis zu verschaffen:
www.2017-oderland-spree.de


Mit herzlichen Grüßen,

Frank Schürer-Behrmann
Superintendent Evangelischer Kirchenkreis Oderland-Spree

Agnes-Maria Bull
Stellvertretende Superintendentin